Im Bus nach Hause

nacherzählt von Georgina Kaplan

Seit einigen Tage fahre ich nach Linz in den Deutschkurs. Mit dem Bus. Die Fahrzeiten und Linien sind noch etwas verwirrend. Wochentage, schulfreie Tage, Feiertage, außer Sonntag, nur an schulfreien Tagen, Haltestelle hier, Haltestelle nicht hier.

Ich nehme den letzten Bus. Niemand außer mir fährt heute diese Strecke.

Ich frage: “Fährt dieser Bus nach ………?”

Der Fahrer sagt etwas in perfektem Mühlviertlerisch und ich verstehe nur jedes vierte Wort. Also frage ich nach und sage: “Ich habe Sie leider nicht ganz verstanden, ich spreche noch nicht so gut Deutsch.”Er: “Von wo kummst denn?” Ich antworte: “Aus Syrien.” Er: “A Flüchtling, und was machst daun bei uns? Du bist a junga Bua, du solltast daham kämpfen und net bei uns do. Bist du a Feigling.” Ich versuche verzweifelt mich zu rechtfertigen und gebe schließlich auf, die Worte fehlen noch.

Ich verdrücke mich in den letzten Teil des Busses und wir fahren ab.

Lange denke ich nach, welche Antwort ihn wohl hätte umstimmen können und verstehe dann. Er kann es nicht nachvollziehen. Wie auch – ich kann es ja selber nicht.

Beim Aussteigen sage ich “Pfiat di” – wie er.

sicher im Hafen