Neues von der B 127

Rohrbach – Linz und retour

von Georgina Kaplan

12.06 Uhr. Die Tür öffnet sich unter lautem Stöhnen. “Einmal Linz mit Öffentlichen und zurück,” sage ich nach einem “Griaß di!” Der bevorzugte Platz ist frei. Hinter der Glasscheibe in der ersten Reihe links. Dort wo sich die Plakate mit den aktuellen Ereignissen in der Region tummeln. CASINO CASINO, Ball der HAK Rohrbach.

Meditationsort Bus, frei von Lesen, Schreiben, Arbeiten – nur Schauen, Hören, Sein. Der Bus ist schwach frequentiert um diese Zeit. Die erste Reihe rechts ist besetzt von einem weißhaarigen Herrn Ende siebzig. Der Halt hatte sein Gespräch mit dem Fahrer unterbrochen, das er nun heiter fortsetzen konnte, untermalt von leiser Musik von Ö3. Der Fahrer lässt nur hin und wieder kleine Laute der Zustimmung hören und zeigt somit seine Aufmerksamkeit. Eine beschauliche Fahrt wie immer, die Kurven des Saurüssels wiegen mich und ich kippe in das Gespräch.

“…und die Frauen haben viel zu viel zu sagen. Sogar in der Politik möchten sie mitmischen. Das schätze ich an den Moslems, dort haben sie ihren angestammten Platz und machen den Männern nicht das Leben schwer mit ihrem Geschwätz. Wenn der Mann sagt: “Schweig!”, dann hat das so zu sein. Aber bei uns reden sie überall mit, haben keine Ahnung was es heißt zu arbeiten und wie schwer es ist für uns. Ich war lange Jahre Schuldirektor und hab mir nie ein Blatt vor den Mund genommen. Hab immer meine Meinung gesagt über dieses “Genderzeug” und die Ausländerpolitik. Sie können sich vorstellen, dass ich nicht nur einmal deswegen zum Landesschulrat musste. Diese Eltern!”

Ich spüre ein leises Zittern im Magen, das langsam über die Brust in Richtung Mund zieht und mir andeutet, dass sich mein feministisches Ego angekratzt fühlt. Achtung! Nonviolent communication! Der Mund öffnet sich, die Lippen formen sich zu Worten: “Entschuldigen Sie, mein Herr, darf ich sprechen?”

Er schaut mich verdattert an. “Ja, warum fragen Sie?”
“Ich hatte nun eine halbe Stunde Zeit an Ihrem Gendervortrag teilzuhaben und wüsste nun gerne ob Sie verheiratet sind.”
Er sieht mich verdutzt an, versucht mich einzuordnen. “Sind Sie Journalistin?”
Eine kleine Lüge ist angebracht und kommt leicht über meine Lippen: “Ich bin Genderbeauftragte des Landes Oberösterreich.”
“Oh, mein Gott, da habe ich mich jetzt schön in die Nesseln gesetzt!” Grinst über das ganze Gesicht.
“Natürlich habe ich nicht Sie damit gemeint und überhaupt…”

Schweigen bis Linz, die Musik spielt. Hessenplatz – ich stehe auf und schicke mich an auszusteigen.
Er schaut auf: “Übrigens, ich bin nicht verheiratet, wann fahren Sie mit dem Bus zurück?”
“Überlassen wir das doch dem Schicksal.”

kopfhoerer Kopie Zum Nachhören – Eine kleine Genderplauderei